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World Handicap System


Ab 2021 werden auch in Deutschland die Handicaps für alle Golferinnen und Golfer nach dem neuen World Handicap System (WHS) geführt. Die Umstellung auf das WHS wird wahrscheinlich bereits am 22./23. November erfolgen, damit die Mitgliedskarten für 2021 rechtzeitig bestellt und richtig bedruckt werden können.

Es wird sich einiges ändern bei diesem Systemwechsel! 

Die Berechnungsart, die Begriffe – deshalb hier schon einmal eine erste Darstellung.

Das Handicap (bislang die Vorgabe) ist Ausdruck des Spielpotenzials eines Golfers und wird geführt, um die Spielstärke möglichst aktuell abzubilden. Nur mit einem aktuellen und zur tatsächlichen Spielstärke eines Golfers passenden Handicap ist ein fairer Wettkampf in Turnieren möglich – es sei denn, man spielt Brutto-Turniere.

Die Regelinstanzen USGA und R&A haben das World Handicap System entwickelt, um alle bisherigen sechs unterschiedlichen Systeme in einem einzigen, weltweit gültigen zu vereinen.

Nach der grundlegenden Überarbeitung der Golfregeln, der Neufassung der Ausrüstungsregeln sind die hier dargestellten Handicap-Regeln der nächste Schritt. Die Überarbeitung des Amateur-Statuts durch die beiden Dachverbände USGA und R&A wird in absehbarer Zeit folgen.

EDS Runden = RPR

Vorgabenwirksame Runden außerhalb von Turnieren wurden bislang als Extra Day Score oder EDS-Runden gespielt. Das wird weiterhin möglich sein, nur ändert sich der Name in „registrierte Privatrunden“ oder RPR und, ganz wichtig, diese RPR stehen allen Golfer offen. Im World Handicap System können auch Spieler mit einem Handicap Index von 4,4 oder besser Handicap relevante Privatrunden spielen und an 9-Löcher-Turnieren teilnehmen.

Andere private Runden, also alle nicht zuvor registrierten, werden auch weiterhin nicht zur Handicap-Berechnung genutzt.

Unverändert bleiben auch die Einzel -Spielformate, die zur Handicap-Berechnung genutzt werden: Zählspiel, Stableford, Maximum Score und Par oder Bogey Spiele.

Durchschnittsberechnung

Neu ist, dass es keine EGA- oder DGV-Vorgaben mehr geben wird, sondern einen World Handicap Index (WHI). Besonders ungewohnt wird sicher die Berechnungsmethode des WHI sein. Statt das erzielte Handicap nach vorgabenwirksamen Runden schrittweise herauf- oder herab zu setzen, wird zukünftig der Handicap Index nach dem Durchschnitt berechnet. Dazu werden die besten 8 der letzten 20 Ergebnisse bewertet. Aus diesen 8 Ergebnissen wird der Durchschnitt ermittelt.

Da dieser WHI völlig neu berechnet wird, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass er von der bisher geführten Vorgabe abweicht. Es wird davon ausgegangen, dass der WHI bei den meisten Spielern um 2-3 Schläge höher als die bisherige EGA-Vorgabe sein wird.

Es wird auch passieren, dass Spieler mit der gleichen EGA-Vorgabe einen unterschiedlichen WHI bekommen, da die 20 letzten Ergebnisse herangezogen werden und diese sehr unterschiedlich sein können.

Vorgabenklassen mit Pufferzonen und Herauf- und Herabsetzungs-Multiplikanden werden im WHS ersatzlos entfallen.

Handicap-Relevanz aller Turniere in der Saison

Eine weitere wichtige Neuerung ist, dass ab 2021 alle Einzel-Zählspiel-Turniere während der Spielsaison immer Handicap relevant sein werden. Von Mai bis September haben Spielleitungen nicht mehr die Wahl, ein Zählspiel-Turnier „nicht vorgabenwirksam“ auszuschreiben.

Warum sollte das überhaupt kein Problem sein?

Einzelne schlechte Runden beeinflussen im World Handicap System nicht grundsätzlich die Entwicklung des Handicap Index. Einzelne schlechte Ergebnisse müssen nicht zu einer Verschlechterung des Handicaps führen. Da immer nur die 8 besten der letzten 20 Ergebnisse eines Spielers zur Berechnung des Handicap Index genutzt werden, sind zudem mehr Verbesserungen als Verschlechterungen zu erwarten – sagt zumindest der DGV.

Letztlich aber und das ist für viele Mitglieder wahrscheinlich das wichtigste Argument: zwischen Handicap-Index 26,5 und 54 sind ohnehin nur Verbesserungen möglich. Handicapwirksame Turniere können von diesem Personenkreis also locker gespielt werden – auch wenn die Tagesform mal nicht so berauschend sein sollte. 

Umrechnung der EGA-Vorgabe in den WHI

Für die Konvertierung vom EGA-Vorgabensystem zum World Handicap System gibt es keine Formel, mit der die EGA-Vorgabe in einen Handicap Index umgerechnet werden könnte. Die Berechnung erfolgt völlig unabhängig von der EGA-Vorgabe, allein auf Grundlage der erzielten Ergebnisse. Relevant sind hierfür alle vorgabenwirksamen Ergebnisse der letzten 4 Jahre, da nur damit die aktuelle Spielstärke widergespiegelt wird.

Die Handicaps aller Spieler werden neu berechnet.

a) Spieler mit EGA-Handicap kleiner 26,5:

– Aus den bestehenden Stammblatteinträgen der vergangenen vier Jahre werden maximal die aktuellsten 20 Ergebnisse herangezogen, um den World Handicap Index zu berechnen.

– Spieler ohne Ergebnisse oder mit weniger als 20 Ergebnissen im Stammblatt erhalten ein zusätzliches fiktives Ergebnis, das einem Score-Differential in Höhe des letzten EGA-Handicaps entspricht, ein sogenanntes Ankerergebnis. Dieses Ankerergebnis hat zur Folge, dass:

    – ein Spieler ohne andere Stammblatteinträge einen World Handicap Index erhält, der dem heutigen EGA-Handicap entspricht. 

    – für Spieler mit weniger als 20 Stammblatteinträgen, der World Handicap Index nicht zu gravierend abweicht.

Je geringer die Anzahl der Stammblatteinträge der letzten vier Jahre ist, desto gewichtiger ist das Ankerergebnis. Das Ankerergebnis wird immer als ältestes Ergebnis eingetragen und wird als erstes Ergebnis aus dem Stammblatt entfernt, sobald 20 erspielte Ergebnisse vorliegen.

b) Spieler mit EGA-Handicap 26,5 oder höher:

Es gilt für alle Spieler mit EGA-Handicaps von 26,5 oder höher das identische Prinzip wie in den niedrigeren Vorgabenbereichen. Alleine beim Ergebnis kann es zu Abweichungen kommen.

   – Wird der World Handicap Index auf Grund der Neukalkulation niedriger, als das EGA-Handicap, so erhält der Spieler den tatsächlich kalkulierten neuen Handicap Index.

    – Wird der World Handicap Index auf Grund der Neukalkulation gleich oder höher des EGA-Handicaps ausfallen, so bekommt der Spieler einen World Handicap Index in Höhe des EGA-Handicaps. Ausnahme: Der Spieler lässt die Fixierung seines World Handicap Index aufheben. 

Viele Spieler haben innerhalb der letzten 4 Jahre jedoch weniger als 20 Ergebnisse erzielt. In diesen Fällen werden die Handicap Indizes aus weniger als 8 Ergebnissen ermittelt.

Wer vor mehr als vier Jahren sein letztes vorgabenwirksames Turnier gespielt hat, für den ändert sich rein gar nichts. Auf der Karte für 2021 wird die gleiche Zahl stehen wie in all den Jahren zuvor. 

CSA und CBA früher – heute CR-Korrektur

Aufmerksame Leser haben im Text schon den Begriff Score Differential bemerkt.

Mit dem Score Differential feiert der CSA- oder CBA-Wert seine fröhliche Wiederkehr, es ist die notwendige Anpassung an die Verhältnisse des Tages auf dem Platz und nennt sich zukünftig Course Rating-Korrektur (PCC)

Diese Korrektur kann zwischen -1,0 und +3,0 liegen.

Die CR-Korrektur wird allerdings nur für Handicaps bis 26,4 berücksichtigt, anders als CSA und CBA früher, die für alle Turnierteilnehmer gleichermaßen angesetzt wurden.

Die CR-Korrektur wird zudem eigentlich erst am Ende des Tages für alle gespielten Handicap relevanten Runden auf dem Platz zentral in Wiesbaden errechnet. Deswegen sollte nicht unbedingt davon ausgegangen werden, dass bei der Siegerehrung eines Turniers auch schon das neue Handicap genannt werden kann.

Zweistufige Bremse beim Handicap-Anstieg

Das neue System hat auch eine eingebaute Bremse, um den Anstieg eines Handicaps zu begrenzen.

Da ja nur die letzten 20 Ergebnisse zählen, kann es passieren, dass die bislang als zwanzigstes Ergebnis festgehaltene Traumrunde als neue Nr. 21 nicht mehr zählt. Das ist bitter, kann zu einem deutlichen Anstieg des Handicaps führen, kann aber nicht geändert werden.

Für andere Fälle gibt es eine zweistufige Bremse des Handicap-Anstiegs, vorausgesetzt die Traumrunde (die nennt sich Low Handicap Index und muss allerdings in den letzten 365 Tagen gespielt worden sein) ist noch unter den 20 Ergebnissen.

Die erste Bremsstufe nennt sich Soft Cap und tritt in Kraft, wenn der Unterschied zwischen dem eigentlich berechneten Handicap und der Traumrunde mehr als drei Schläge beträgt. Der über drei Schläge hinausgehende Anstieg des Handicaps wird nur zu 50% gewertet.

Beispiel: Handicap Index 18,0, theoretischer neuer Handicap Index 21,8. Es wird mit dem Soft Cap gewertet: 18 + 3 + (50% von 0,8) = 21,4.

Die zweite, kräftigere Stufe der Bremse beim Handicap-Anstieg nennt sich Hard Cap. Dieses Verfahren tritt in Kraft, um nach der Anwendung des Soft Cap Verfahrens den Anstieg des Handicaps Index auf insgesamt nicht mehr als 5 Schläge über dem Low Handicaps Index (der Traumrunde der letzten 365 Tage) zu begrenzen.

Aber bei Vielspielern kann der Index schon mal deutlich ausschlagen. Im Ligabetrieb und auch im Bereich von Einzel-Turnieren mit sehr engen Zugangsgrenzen kann das dann deutliche Folgen haben.

Vom Handicap Index zum Course Handicap und Playing Handicap

Bislang bekam man mit seiner EGA-Vorgabe ja auch eine Spielvorgabe zugewiesen. Daran hat sich prinzipiell nicht viel geändert.

Der Handicaps Index wird in ein Course Handicap umgewandelt. Dabei wird festgelegt, wie viele Schläge ein Spieler bei einem Einzel auf einem beliebigen Golfplatz erhält oder gewährt.

Ein Playing Handicap wird daraus ermittelt für andere Spielformen wie Vierer, wenn anteilige Handicaps oder unterschiedliche Abschläge in einem Turnier oder spezielle Ausschreibungsbedingungen dies erfordern.

Course Handicap und Handicapverteilung

Nach den Golfregeln ist die Spielleitung dafür verantwortlich, die Reihenfolge der Löcher zu veröffentlichen, an denen Handicapschläge gewährt oder erhalten werden.

Bislang wurden die Löcher nach der tatsächlichen Schwierigkeit, also den über einen längeren Zeitraum erzielten Ergebnissen an den einzelnen Löchern festgelegt.

Deshalb war im GC Brückhausen bislang auch die Bahn 9 das schwerste und Loch 18 das zweitschwerste Loch.

Das wird in der Zukunft Vergangenheit sein.

Die niedrigste Handicapverteilung (1 oder 2) wird jeweils in die mittlere Dreiergruppe der jeweiligen Halbrunde (Löcher 1-9 bzw. 10-18) gesetzt. Eignet sich kein Loch der mittleren Dreiergruppe (Löcher 4, 5, 6 bzw.13, 14, 15) dafür, können unmittelbar benachbarte Löcher der angrenzenden Dreiergruppen dafür genutzt werden.

Auch für die weitere Handicapverteilung (3 / 4 und folgende Handicapverteilungen) gibt es strikte Vorgaben.

Der Vorgaben- und Spielausschuss des Clubs wird sich damit beschäftigen müssen, wie diese Handicapverteilung zukünftig aussehen soll.

Handicapüberprüfung

Die neuen Handicapregeln liegen auch fest, dass eine jährliche Handicapüberprüfung stattfindet. Diese zwingend vorgeschriebene Überprüfung wird allerdings nicht für Spieler mit einem Handicapindex über 35, 9 durchgeführt.

Unter anderem werden bei der vom DGV durchgeführten Überprüfung die in verschiedenen Spielformen oder-formaten erzielten Ergebnisse auf deutliche Unterschiede hin überprüft. Sind die Ergebnisse in Turnieren oder in registrierten Privatrunden, in Handicap relevanten Spielformen und in nicht   Handicap relevanten Spielformen sehr unterschiedlich?

Es bleibt abzuwarten, ob diese Handicapüberprüfung Auswirkungen auf den Normalgolfer haben wird oder nur die berühmt-berüchtigten ‚bad apples‘, die Handicapkünstler im Griff halten soll.

Auswirkungen auf den Liga-Spielbetrieb

Der Golfverband Nordrhein- Westfalen hat bereits auf die Umstellung auf das WHI reagiert. So wird zukünftig im Ligabetrieb der Mannschaften keine maximale Vorgabensumme aller Spieler der jeweiligen Mannschaft mehr vorausgesetzt. Der Sportausschuss des GV NRW hat stattdessen vorgeschlagen, analog zur Regelung bei der DGL ein maximal zulässiges Handicap für jeden einzelnen Spieler der Mannschaft einzuführen.

Trotz der zum Teil erheblichen Zuschläge auf den WHI kann es durchaus passieren, dass Mannschaften, die im alten System so gerade eben die Grenzen der Team-Vorgabe einhalten konnten, nicht genügend Spieler mit dem notwendigen individuellen WHI aufstellen können. In solchen Fällen kann es durchaus zu Nichtmeldungen oder Rückzügen von Mannschaften in den Clubs kommen.

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