M. Schleinhege | | Golfschule, Sport

Die neuen (Faust-)Regeln


Eines ist sicher: Die neuen Golfregeln sorgen für Gesprächsstoff. Bei Regelabenden, in den Golfverbänden auf Bundes- und Landesebene - und im Spielausschuss.

Dort erläuterten die Trainer Michael Terwort und Robert Schön die Konstruktion der Regeln. Und es wurde klar: Regeln können von Club zu Club unterschiedlich sein, und sogar im selben Club können bei Spielen nach DGV-Regeln andere Regelungen gelten als bei Clubspielen. Au ha! Was gilt denn nun?

Es gibt "Kann-Regeln", die auf internationaler Ebene ermöglicht werden (von den Gralshütern der Regeln, dem Royal and Ancient Club St. Andrews und der USGA). Ob ein Bundes- oder Landesgolfverband sie umsetzt, bleibt abzuwarten. Das betrifft in erster Linie die Liga-Spielerinnen und -spieler.

Jedoch: Auch auf Club-Ebene gibt es Regeln, die umgesetzt werden können, aber nicht umgesetzt werden müssen. Dazu gehört die oft engagiert diskutierte Regelung bei einem Schlag ins Aus. Bisher gilt ja: Es wird dort - mit einem Strafschlag - weitergespielt, wo der Schlag ins Aus ausgeführt wurde. Keinesfalls richtig war die häufig praktizierte "Privatregel": "Ich droppe da mal einen an der Auslinie, wenn ich den Ball nicht mehr finde."

Nach den neuen Regeln könnte diese "Privatregel" - theoretisch - Wirklichkeit werden: Wer ins Aus geschlagen hat, droppt den Ball an der Stelle des Übertritts ins Aus - mit zwei Strafschlägen. Aber Achtung: Diese Regel müsste über die Platzregeln für Tinnen erst "aktiviert" werden. Und das ist erstens bisher nicht geschehen. Und zweitens erscheint es dem Spielausschuss nach aktuellem Diskussionsstand wenig sinnvoll, die Regel einzuführen. Denn zum Beispiel an der Bahn Gelb 9 sieht man nicht unbedingt, wo genau ein Ball die Auslinie überquert hat, wenn der Abschlag einen bösen Rechtsdrall hatte. Und suchen kann man den Ball dort auch nur schwer. Ergebnis: Es besteht die Gefahr, dass das Spiel langsamer wird - statt schneller.

Auf der sicheren Seite ist jedenfalls, wer sich bei den Regelabenden schlau gemacht hat. Und ein Blick in die Platzregeln ist auch nicht verkehrt. Sie werden, das hat der Spielausschuss versprochen, schnellstmöglich überarbeitet und den neuen Regeln angepasst. Für alle Regel-Enthusiasten hatte Trainer Robert Schön eine tolle Faustregel parat, wie viele Strafschläge zu berücksichtigen sind: Wenn eine Regel angewendet wird, meist ein Strafschlag (zum Beispiel, wenn der Ball im Gelände für unspielbar erklärt wird). Zwei Strafschläge gibt es, wenn eine Regel gebrochen wurde. Eigentlich einfach. Aber die Ausnahme: Nach den neuen Regeln darf man nun auch im Bunker einen Ball für unspielbar erklären. Und - in rückwärtiger Verlängerung zwischen Eintrittspunkt und Fahne - droppen. Das kostet aber - zwei - Strafschläge.

Bei den Faustregeln hat auch Spielführer Peter Espenkott seine "Eselsbrücke", wenn es um das Droppen geht. Ein oder zwei Schlägerlängen? Bei einer Anwendung von Regeln ohne Strafschläge, zum Beispiel bei einem Hemmnis: eine Schlägerlänge. Muss man einen Strafschlag einrechnen (zum Beispiel nach der Landung in einer "Penalty Area" (früher "Wasser"): Zwei Schlägerlängen. Und bitte dran denken: Die Schlägerwahl ist nicht mehr frei: Es muss nun der längste Schläger zum Abmessen genutzt werden, also der Driver.

Zu guter Letzt: Wir dürfen aufatmen: Wahrscheinlich wird aufgrund der neuen Regeln die Zahl der Platzregeln reduziert. Und das ist ja auch schon mal was.

Nächster Regelabend
Dienstag, 09. April um 20 Uhr im Wintergarten (David Wilmes)

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